ARNO STERN

Nach Ende des zweiten Weltkriegs begann der

nach Frankreich emigrierte 22-jährige Arno Stern in einem Pariser Vorort in einem Kinderheim für Kriegswaisen zu arbeiten. Um die Kinder zu beschäftigen, ließ er sie malen. Für ihn kein ungewöhnlicher Schritt, da er sich in den vorangegangenen Kriegsjahren mit dem Thema Malerei beschäftigt und auch selber die wenige Freizeit während der Internierung dafür genutzt hatte.

Arno Stern erkannte bei seiner Arbeit mit Kindern Ursprünge und Zusammenhänge, die ihn nicht mehr ruhen ließen. Er ging auf Reisen und ließ auf dieser Spurensuche bevorzugt unbeschulte Kinder aus verschiedensten Ländern der Welt unter immer den gleichen Bedingungen malen. Ein Kind in Peru malte die selben Bild-Dinge wie ein Kind in Afghanistan oder in Deutschland. Arno Stern belegte, dass Kinder nicht nach ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft malen, er erkannte die universelle bildnerische Ursprache, die tief in der organischen Erinnerung eines jeden verankert ist und benannte diese „Formulation“.

Die Formulation setzt keine Begabung voraus, sie ist ein natürliches Bedürfnis, das jeder Mensch in sich trägt. Das Erleben der Formulation im Malspiel ist mit nichts vergleichbar, es ist keine Kunstgattung und auch kein Bestandteil der Psychologie.

Der Malende, der den Malort besucht, kann sich befreien von Abhängigkeiten, von Vorbildern und von Erwartungshaltungen. Daraus resultiert eine Stärkung der Persönlichkeit, die sich auf alle Lebensbereiche auswirken wird.

Die Aufnahmen entstanden als Recherchen für den Kinodokumentarfilm „Alphabet“. Sie geben einen Einblick ins Malspiel im Malraum, wie Arno Stern es persönlich erklärt und wie er weltweit bekannt ist.